Warum die SoliOli-Kampagne unterstützen?

Die Krise in Griechenland ist immer noch nicht vorüber
In letzter Zeit ist immer häufiger von einer „positiven Wende“ in Griechenland die Rede, dabei ist die Krise dort für einen großen Teil der Bevölkerung keineswegs vorüber. Mehr als 150.000 Firmen mussten seit 2008 schließen, die Wirtschaft ist seitdem um ein Viertel geschrumpft. Das Risiko, selbst mit einem festen Job arm zu sein und sich z.B. keine Krankenversicherung leisten zu können, ist hier so groß wie nirgendwo sonst in der EU. Selbst wenn der griechische Staat demnächst in der Lage sein sollte, sich wieder selbstständig Geld auf den internationalen Finanzmärkten zu leihen, bleibt die soziale Lage für viele Menschen aufgrund der weiterhin außerordentlich hohen Erwerbslosigkeit, den extrem niedrigen Löhnen und den deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten äußerst prekär. Das trifft insbesondere auf Tausende nach Griechenland Geflüchtete zu, die von den Grenzschließungen in Europa betroffen sind und in ständiger Angst leben müssen, in die Türkei oder ihre Herkunftsländer abgeschoben zu werden. An Orten wie dem völlig überfüllten Internierungslager Moria auf Lesbos oder in anderen sogenannten Hotspots für Geflüchtete offenbart sich die repressive und menschenverachtende Migrationspolitik der EU; im Gegensatz dazu steht die zum Teil großartige Hilfsbereitschaft der lokalen griechischen Bevölkerung.

Selbstorganisation vorantreiben – Kooperationsnetzwerke in Europa knüpfen
Auf wachsende Versorgungsprobleme und Erwerbslosigkeit in Griechenland haben dort viele Menschen in den letzten Jahren mit der Gründung von Selbsthilfeinitiativen, Kooperativen und Produktionsgenossenschaften reagiert. Schätzungsweise sind seit 2012 um die 300 neue landwirtschaftliche Genossenschaften entstanden. Bekannt geworden ist neben den solidarischen Gesundheitskliniken u.a. die sogenannte Kartoffelbewegung: Landwirtschaftliche Projekte verkaufen ihre Lebensmittel ohne Zwischenhändler direkt an die VerbraucherInnen, was beiden Seiten nutzt. Wir sehen diese und ähnliche Prozesse der gegenseitigen Hilfe und Selbstermächtigung als entscheidend für gesellschaftliche Veränderungen an, von denen wir lernen können. Mit der Vernetzung und Unterstützung solcher Initiativen kann ein kleines, doch wichtiges Zeichen gesetzt werden gegen die vorherrschende Politik der EU, die dazu tendiert, die Menschen „von oben“ gegeneinander auszuspielen und zu spalten.

Ansätze solidarischer Ökonomie fördern
Wir vermitteln im Rahmen der SoliOli-Kampagne hochwertige Lebensmittel zu guten Preisen sowohl für die ProduzentInnen als auch VerbraucherInnen. Der Direktimport und Kauf von Oliven(öl) kleiner griechischer Erzeugergemeinschaften ist ein Schritt und praktischer Anknüpfungspunkt, mit dem wir solidarische Formen des Arbeitens und Wirtschaftens konkret stärken können. Zudem werden mit den Erlösen (30 Prozent des Erzeugerpreises) auch ausgewählte soziale und politische Projekte wie Selbsthilfeinitiativen für Erwerbslose oder Projekte von Geflüchteten unterstützt.
Mittlerweile haben wir die Erzeugergenossenschaften, mit denen wir zusammenarbeiten, auch persönlich besucht (hier der Reisebericht) und Vertreterinnen nach Berlin eingeladen.
In begleitenden Veranstaltungen wollen wir uns darüber austauschen, wie wir diese kleinen Schritte zusammen ausbauen können. Wie kann solidarisches Wirtschaften im Sinne von Kollektivität, Selbstverwaltung, Umweltbewusstsein, Gemeinwohlorientierung und fairem Handel nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis an Bedeutung gewinnen?